Zum Schluss unserer Reise erzähle ich euch, was Mama und Papa in Schweden besonders aufgefallen ist und was das Land zur Schweiz unterscheidet.
Es gibt noch anderes Typisches neben Elchen und Dalarna-Pferden. Fangen wir doch gleich beim Wichtigsten an, dem Essen. Das Essen hat in Schweden einen hohen Stellenwert und man spürt überall, dass sich die Leute dafür viel Zeit nehmen. Nebst vielen Fischgerichten trifft man immer wieder auf Schilder mit der Aufschrift „Köttbullar“. Ihr kennt dieses Gericht vermutlich schon aus der IKEA. Kött = Fleisch, bulle = Bällchen. Das kann man immer und überall essen. Am besten mit Kartoffelnstock, brauner Soße und Preiselbeeren. Dazu Knäckebrot mit gesalzener Butter. Das Knäckebrot gibt es übrigens in allen Variationen, groß, klein, dick, dünn, rund, eckig.

Bekanntlich verbringt der Mensch mindestens ein Drittel seines Lebens mit Schlafen, der Schwede zusätzlich noch ein Drittel mit Kaffeepausen. "Fika" nennt sich dieses Ritual und besteht aus einem Kaffee und einem süßen Teilchen. Meistens gibt es leckeren Zimtschnecken, genannt „Kannelbullar“. Andrina, Luca und Mama haben dutzende davon verspiesen.

Ab und zu gab es auch frische Waffeln mit Vanilleglace und Erdbeersauce. Ja, frische Erdbeeren gab es sowieso an jeder Ecke zu kaufen und wir haben viele feine Erdbeerdrinks von Mama geniessen dürfen.

Aber nochmals zurück zu Kaffee: das ist eine Besonderheit in Schweden. Meist steht an der Kasse in einem Restaurant “Påtår ingår”. Das bedeutet, dass man sich im Café oder Restaurant (die in der Regel Selbstbedienung sind) die Tasse Kaffee kostenlos noch einmal füllen kann. Es stehen überall Kaffeekannen herum. Påtår (Ausgesprochen wird es “pootoor”) heisst wörtlich übersetzt “der Schluck obendrauf” und stammt aus dem früheren Schnappshandel. Den Schnapps kaufte man früher lose in eigenen Flaschen und bekam dann noch einen kleinen Schluck dazu.
Mama und Papa hatten aber meistens einen Cappuccino respektive einen doppelten Espresso bestellt und der kam entweder aus der italienischen Kaffeemaschine oder aus der eigenen Nespresso-Maschine. Nur geht langsam unser Nespresso-Vorrat zu Ende und evtl. müssen wir extra in Kopenhagen nochmals stoppen, damit die Beiden nicht auf Entzug kommen, bis wir zu Hause sind...
Und dann wäre da noch das Thema Alkohol. Für Wein und Bier geht man zum Systembolaget. Hier und nur hier gibt's Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 3,5% vol; Bier mit 3,5% und gar 2,7% gibt es noch im normalen Laden (unter Vorlage von einer ID, die beweist, dass man schon 20 ist). Für alle härteren Sachen führt der Weg in den Systembolaget: staatlich organisierter Alkoholverkauf. Da gibt's dann alles was das Herz begehrt. Allerdings möchte man als normaler Europäer gleich wieder gehen, wenn man auf die Preise schaut. Eine rechte Flasche Wein ist schon ordentlich teurer als bei uns. In den Orten an der norwegischen Grenze kann es am Wochenende schon vorkommen, dass die Grenzgänger sich die Füsse vor dem Systembolaget Wund stehen, um an Alkohol heran zu kommen. Denn in Norwegen ist alles nochmals viel teurer.

Esswaren kauft man in einem der diversen Supermärkte wie ICA oder Konsum ein und dies übrigens von 8-22 Uhr und meist 7 Tage die Woche.
Und da wäre noch eine Eigenheit, wenn wir beim Essen sind. In jedem, aber wirklich jeden Restaurant oder Cafe hatte es Kinder-Hochstühle von IKEA und ich habe mich richtig wohl gefühlt darin.

Dass die Schweden einen beliebten Geschmack für Design und Innendekoration haben, wissen wir ja nicht nur von IKEA und H&M. Man sieht es in den vielen Häusern, die oft ein liebevoll dekoriertes Wohnzimmerfenster haben. Dazu steht im Garten eine Fahnenstange mit Schwedenfahne und die Fassade ist „falunrot“.

Doch was hat es mit der Farbe „Falunrot“ auf sich? Einst war es nur ein Abfallprodukt der Kupfermine in Falun, mit dem sich Holz gut und billig streichen ließ. Doch heute leuchten fast alle Häuser Schwedens in „faluröd“. Mit der roten Universalfarbe Falu rödfärg liefert die Grube Falun den seit gut 150 Jahren beliebtesten Hausanstrich. Die rote Farbe wird aus den Abraumhalden von verwittertem Schwefelkies, mit den Hauptbestandteilen Eisenocker und Kieselsäure, gewonnen. Die rote Farbe hat viele Vorzüge: Sie konserviert das Holz, ohne es zu verstecken. Die Wand atmet. Je nach Wetter und Tageszeit verändert sie sich im Ton. Frost, Tau oder starke Wärme geben dem Rot eine unterschiedliche Färbung. Es bindet eine Gruppe aus mehreren Häusern zur Einheit zusammen und hebt sie gegen Wald, Berg und Acker ab. Dadurch entsteht eine geordnetes Landschaftsbild, das Skandinavien so romantisch macht.

Und dann wäre da noch das Klima. Ein immer wieder beliebtes und mit Klischees behaftetes Thema. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt in Göteborg zum Beispiel 670mm und diejenige für Deutschland 760 mm. Entgegen manchen Erwartungen kann man in Schweden einen heissen Sommer erleben und das Wasser in den Seen oder im Meer kann durchaus auch für uns „Südeuropäer“ angenehm sein. Dass die Schwedinnen beim ersten Sonnenstrahl knapp über 10 Grad schon den Minirock montieren oder im Bikini in den Parks sonnenbaden ist weitläufig bekannt. Wohl auch dass sie ohne langes hin und her einfach in den See springen, egal wie warm er ist.

Als es in der Schweiz in den letzten Wochen so heiss war, ist es auch in Schweden sehr warm gewesen und am Spitzentag, als wir in Göteborg waren, zeigte die Wettervorhersage auch 35°C an! Die Temperaturen in den Seen waren für uns auch meistens sehr angenehm.


Und wer jetzt noch das Gefühl hat, wir hätten zwar warm gehabt, seien aber von Tausenden von Mücken attackiert worden, auch den müssen wir enttäuschen. Die zwei Mückensprays, die wir mitgenommen haben, sind in den drei Monaten keine zehn Mal zum Einsatz gekommen. Dafür haben wir mehrere herrlich gelegene Campingplätze an Seen gefunden, die es uns wohl schwer machen, dass wir uns auf den oft überfüllten Plätzen im übrigen Europa gleich wohl fühlen. Dazu haben wir einige Rastplätze genossen, die allesamt mit herrlichen Badestegen, WC und oft auch Duschen ausgerüstet waren.

Eine eindrückliche Eigenheit des Nordens im Sommer ist natürlich die Mitternachtssonne. Auch wenn wir nicht bis zum nördlichen Wendekreis gereist sind, hatten wir sehr viel Freude an den langen Sonnenscheindauern und es ist schon ein super Gefühl, wenn es gar nie richtig dunkel wird. Man muss nur aufpassen, dass man das Zeitgefühl nicht verliert und die Kinder rechtzeitig ins Bett schickt. Sonst hat man am nächsten Tag die Quittung...

Anders sieht es wohl im Winter aus, wenn es im Norden fast nie hell wird. In Schweden ist es, wie wohl allgemein bekannt, öfters mal kalt. Um zu verhindern, dass das Auto einfriert, kann man sein Auto mit einer Elektrostandheizung aus - bzw. nachrüsten und dann einen Parkplatz mieten, an denen man diese einstöpseln kann - und kann sich freuen, in ein wohlig warmes Auto zu steigen oder zumindest in eines, in dem es nicht wie draußen minus 20 Grad hat. Allein Schweden hat über 500’000 Steckdosen an Parkplätzen. Jetzt könnten die krieselnden Volvos und Saabs, die es ja zu Tausenden gibt, doch gleich zu Elektrofahrzeugen umgerüstet werden, die Tankstellen sind ja bereits vor Ort. Zudem haben dort die meisten Autos Zusatzscheinwerfer montiert, damit sie in der Dunkelheit genügend sehen.
Anderes Thema: Sport! Da sich die Schweden für einmal nicht für die Fussball-WM qualifizieren konnten, hat man auch nicht viel von der WM in Südafrika gespürt. So bleiben das Segelrennen in Marstrand, diverse Ruderbootrennen, Sommerlangläufer auf den Strassen und viele Kajakfahrer in unseren Erinnerungen.

Generell waren wir von der Freundlichkeit der Schweden fasziniert. Überall wurden wir mit einem herzlichen „hej, hej“ begrüsst und weder im Supermarkt noch auf der Strasse wird gedrängelt. Alle waren sehr hilfsbereit und auch wenn man das Schwedisch kaum versteht, mit englisch kommt man überall gut durch.
Wir werden die schönen Plätze an den Seen, an der Schärenküste oder in kleinen Städtchen sicher bald vermissen aber dafür noch lange in Erinnerung behalten. Und eines ist sicher, wir waren nicht zum letzten Mal in diesem Land. Wenn wir euch den Norden mit unseren Berichten etwas schmackhaft gemacht haben, geht doch auch nach Schweden, ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.

Bis bald zu Hause, eure Mira
